Shopware 6 Flow Builder: Geschäftsprozesse automatisieren ohne Code

Jede Bestellung über einem bestimmten Wert soll intern eine Benachrichtigung auslösen. Kunden mit einer bestimmten Zahlart sollen eine andere Bestellbestätigung bekommen. Eine Woche nach dem Kauf soll automatisch eine E-Mail mit Pflegehinweisen rausgehen. Solche Abläufe kosten im Tagesgeschäft Zeit - und in vielen Shops erledigt sie jemand noch von Hand. In Shopware 6 müssen sie das nicht.
Dieser Beitrag ist Teil unserer Serie "Shopware 6 für Entscheider". Diesmal geht es um den Flow Builder - das Bordmittel, mit dem sich Prozesse ohne Programmierung automatisieren lassen.
Was der Flow Builder ist
Der Flow Builder ist Shopwares Werkzeug, um Geschäftsprozesse ohne Programmierkenntnisse zu automatisieren. Sie finden ihn in der Administration unter Einstellungen > Automatisierung. Laut Shopware-Dokumentation hebt er ereignisbasierte Aktionen auf ein neues Level: Jeder Flow beginnt mit einem Trigger, der festlegt, wann der Flow ausgeführt wird, gefolgt von Bedingungen und Aktionen.
Die Logik ist bewusst simpel gehalten und folgt dem Muster "Wenn - dann - aber nur falls": Ein Ereignis tritt ein (Trigger), optionale Bedingungen werden geprüft, und passende Aktionen werden ausgelöst. Genau dieses Muster deckt einen großen Teil der Standard-Automatisierung im E-Commerce ab.
Trigger, Bedingungen, Aktionen
Ein Trigger ist ein Ereignis im Shop - etwa eine aufgegebene Bestellung, eine geänderte Zahlart oder ein neu registrierter Kunde. Bedingungen schränken ein, wann gehandelt wird; hier greift der Flow Builder auf denselben Rule Builder zurück, den Shopware auch an anderen Stellen nutzt. Aktionen sind das, was dann passiert.
Zu den eingebauten Aktionen gehören laut Dokumentation unter anderem:
E-Mail senden - automatischer Versand einer Vorlage an Kunde, Administrator oder definierte Adressen, optional mit angehängten Dokumenten.
Status zuweisen - Zahlungs-, Liefer- oder Bestellstatus der betroffenen Bestellung ändern.
Flow stoppen - den Ablauf an einer definierten Stelle beenden, wenn nichts weiter passieren soll.
Zeitversetzte Aktionen und Webhooks
Zwei Funktionen heben den Flow Builder über einfache Reaktionen hinaus. Mit zeitversetzten Aktionen (Delayed Actions) lässt sich ein Flow zum Beispiel automatisch eine Woche nach einer Bestellung auslösen - ideal für Nachfass-Mails, Bewertungsanfragen oder Nachbestell-Erinnerungen.
Webhook-Aktionen übergeben Daten an API-basierte Drittsysteme. Ein Webhook teilt einer anderen Software mit, dass ein bestimmtes Ereignis - etwa eine neue Bestellung - eingetreten ist. Damit wird der Flow Builder zur Brücke zwischen Shopware und Ihrem CRM, einem Newsletter-Tool oder einer eigenen Schnittstelle, ohne dass im Shop selbst Code liegen muss.
Drei praxisnahe Beispiele
Hochpreisige Bestellungen ab einem Schwellenwert lösen eine interne Benachrichtigung aus, damit das Team sie priorisiert bearbeitet.
Nach Statuswechsel auf "versandt" geht automatisch eine E-Mail mit Sendungsverfolgung an den Kunden.
Sieben Tage nach Lieferung startet eine zeitversetzte Aktion, die per Webhook eine Bewertungsanfrage an ein externes Tool übergibt.
Keines dieser Beispiele braucht eine eigene Entwicklung. Genau das ist die Stärke: Marketing und Operations können Abläufe selbst bauen, statt für jede Kleinigkeit ein Ticket bei der IT zu öffnen.
Wo der No-Code-Ansatz endet - und Shopware Entwicklung beginnt
Der Flow Builder ist mächtig, aber kein Allheilmittel. An seine Grenzen kommt er, wenn Sie eigene Trigger oder Aktionen brauchen, die es im Standard nicht gibt - etwa eine Aktion, die komplexe Daten aus einem Drittsystem holt und verarbeitet. Solche eigenen Flow-Aktionen lassen sich über das App-System ergänzen; benutzerdefinierte Aktionen in Shopware-Apps sind laut Dokumentation ab Shopware 6.4.10.0 möglich. Das ist klassische Shopware Entwicklung - sauber gekapselt und update-sicher, wenn es richtig gemacht wird.
Eine gute Faustregel: Standardisierbare Ereignis-Reaktionen gehören in den Flow Builder. Sobald eigene Logik, externe Datenverarbeitung oder komplexe Bedingungen ins Spiel kommen, lohnt sich der Schritt zu einer App oder einem Plugin - idealerweise mit einer Shopware Agentur, die auf Update-Sicherheit achtet. Wo die Grenze genau liegt, hängt vom Einzelfall ab; pauschale Versprechen helfen hier niemandem.
Fazit
Der Flow Builder nimmt Ihrem Team wiederkehrende Handarbeit ab - ohne Programmierung, direkt in der Administration. Fangen Sie mit den Abläufen an, die heute am meisten Zeit kosten oder am häufigsten vergessen werden. Wenn Sie an Grenzen stoßen, ist das kein Versagen des Tools, sondern der natürliche Übergang zu echter Shopware Entwicklung. Beides zusammen ergibt einen Shop, der mitdenkt.
Quellen
Sie wollen wissen, welche Ihrer manuellen Abläufe sich im Flow Builder automatisieren lassen - und wo eigene Shopware Entwicklung sinnvoller ist? Lassen Sie uns gemeinsam auf Ihre konkreten Prozesse schauen. Kein Standard-Pitch, sondern eine ehrliche Einordnung.
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