E-Commerce11 min Lesezeit9.7.2026

Magento 1 vs. 2: End-of-Life, Sicherheit und der Weg nach vorn

Magento 1 ist seit Juni 2020 ohne offiziellen Support. Was das für Sicherheit, Compliance und Ihren Shop bedeutet - und wie die Migration auf Version 2 oder Adobe Commerce strukturiert abläuft.

Alexander Schikowsky
Alexander SchikowskyE-Commerce & Magento-Experte

Es gibt Online-Shops, die laufen seit Jahren stabil - und genau das ist das Problem. Wenn dieser Shop auf Magento 1 basiert, läuft er auf einer Software, die seit dem 30. Juni 2020 keinen offiziellen Support und keine Sicherheits-Patches mehr von Adobe erhält. "Läuft doch" beschreibt hier nur den Betriebszustand. Das Risiko wächst mit jedem Monat, in dem eine neue Lücke ungepatcht bleibt. Dieser Beitrag erklärt, was der Unterschied zwischen Version 1 und Version 2 für Sie als Entscheider konkret bedeutet - und wie ein geordneter Weg nach vorn aussieht.

Dieser Artikel ist Teil unserer Serie "Magento für Entscheider". Wir schauen uns die Plattform aus der Perspektive an, die im Tagesgeschäft zählt: Was bringt es, was kostet es an Aufwand, und wo lohnt sich Hilfe von außen.

Was "End-of-Life" bei Magento 1 wirklich bedeutet

Adobe hat den Support für Magento 1 - sowohl die Open-Source- als auch die Commerce-Variante - zum 30. Juni 2020 eingestellt. Seitdem gibt es keine offiziellen Sicherheits-Updates, keine Fehlerbehebungen und keine Kompatibilitäts-Patches mehr. Der Shop funktioniert technisch weiter, aber jede neu entdeckte Schwachstelle bleibt offen, sofern sie nicht über kostenpflichtige Drittanbieter-Patches geschlossen wird.

Für Sie hat das drei praktische Konsequenzen: Erstens ein wachsendes Sicherheitsrisiko, weil bekannte Lücken nicht mehr zentral geschlossen werden. Zweitens ein Compliance-Thema - insbesondere mit Blick auf die Zahlungssicherheit (PCI DSS), die für Shops mit Kartenzahlung relevant ist. Drittens verliert der Shop den Anschluss: PHP-Versionen, Extensions und Zahlungsmodule werden nach und nach nicht mehr für Magento 1 gepflegt.

Magento 1 und Magento 2 sind nicht dieselbe Software

Ein verbreitetes Missverständnis: Der Sprung von Version 1 auf Version 2 sei ein Update. Das ist er nicht. Magento 2 ist eine technisch grundlegend neue Plattform - andere Architektur, anderer Code, andere Datenstruktur, ein modernisierter Technologie-Stack mit Dependency Injection, modularer Struktur und neuen Frontend-Konzepten. Themes und Extensions aus Magento 1 sind nicht kompatibel und müssen ersetzt oder neu entwickelt werden.

Praktisch heißt das: Eine Migration von Magento 1 auf Magento 2 ist ein Replatforming-Projekt mit eigenem Budget und eigener Laufzeit. Übertragen werden vor allem Daten - Produkte, Kategorien, Kunden, Bestellungen - mithilfe des Data Migration Tools. Funktionalität, Theme und Anpassungen werden hingegen auf Magento 2 neu aufgebaut. Genau das ist der richtige Moment, um Altlasten und ungenutzte Extensions auszusortieren.

Die alten Namen: Community Edition und Enterprise Edition

In Ausschreibungen und alten Angeboten stehen oft noch die Bezeichnungen aus der Magento-1-Zeit. Die Community Edition war die kostenlose Open-Source-Version, die Enterprise Edition die kommerzielle Enterprise-Version mit zusätzlichen Funktionen. Adobe hat beide umbenannt: Aus der Community Edition wurde Magento Open Source, aus der Enterprise Edition erst Magento Commerce und schließlich Adobe Commerce.

Für die Migration ist diese Zuordnung wichtig, weil sie das Zielbild bestimmt. Wer von der Enterprise Edition kommt, landet in der Regel bei Adobe Commerce, weil dort die B2B-, Segmentierungs- und Business-Intelligence-Funktionen weiterleben. Wer von der Community Edition kommt, prüft zuerst, ob Magento Open Source reicht.

Beim Neubau trennen sich Backend und Frontend deutlicher als früher. Für das Frontend gibt es neben dem mitgelieferten Luma-Theme mehrere Wege: ein eigenes Theme auf Luma-Basis, das schlankere Hyvä-Theme oder einen Progressive-Web-App-Ansatz mit PWA Studio. Die Entscheidung gehört an den Anfang des Projekts, weil sich daran der Aufwand für Templates und Anpassungen bemisst - und weil das nötige Know-how je nach Weg ein anderes ist: PHP und Templating auf der einen Seite, JavaScript und React auf der anderen.

Drei Wege aus Magento 1 - ehrlich abgewogen

Wer heute noch auf Magento 1 ist, hat im Kern drei Optionen. Welche passt, hängt von Sortimentsgröße, B2B-Anteil, Budget und interner Technikkompetenz ab:

  • Migration auf Magento 2 / Adobe Commerce: der direkte Weg, wenn Sie auf Magento setzen wollen und die Plattform Ihre Anforderungen abdeckt. Daten werden übernommen, Frontend und Funktionen neu gebaut.

  • Wechsel auf eine andere Plattform: etwa Shopware oder Shopify, wenn Magento für Ihren Bedarf überdimensioniert ist oder Sie Betriebskosten senken wollen. Auch hier ist es ein Replatforming - der Aufwand ist vergleichbar.

  • Vorübergehend absichern: kostenpflichtige Sicherheits-Patches von Drittanbietern können akute Lücken schließen. Sie tragen aber nur, bis die Migration steht, und kosten jedes Jahr Geld.

Wie eine strukturierte Magento-Migration abläuft

Eine Migration läuft in Etappen, statt alles auf einmal anzufassen. Bewährt hat sich diese Reihenfolge:

  1. Bestandsaufnahme: Welche Extensions, Anpassungen und Schnittstellen sind wirklich in Nutzung - und welche können weg?

  2. Zielbild und Edition festlegen (Open Source oder Adobe Commerce) sowie das Hosting-Modell.

  3. Datenmigration mit dem Data Migration Tool: Produkte, Kategorien, Kunden, Bestellungen vollständig übertragen und gegen den Altbestand abgleichen.

  4. Theme und Funktionen auf Magento 2 neu aufbauen, Schnittstellen (ERP, Zahlung, Versand) neu anbinden.

  5. SEO sichern: URL-Struktur mappen, 301-Weiterleitungen einrichten, damit Rankings nicht verloren gehen.

  6. Testphase, Go-Live und Monitoring - mit einem klaren Rückfallplan.

Der Punkt mit den 301-Weiterleitungen klingt technisch, ist aber geschäftskritisch: Wer beim Plattformwechsel die URL-Struktur nicht vollständig mappt, riskiert organischen Traffic, der über Jahre aufgebaut wurde. Das ist einer der häufigsten und teuersten Fehler bei Migrationen.

Wann sich eine unabhängige Magento Beratung lohnt

Die Frage "Magento 2 oder doch eine andere Plattform?" lässt sich nicht pauschal beantworten - sie hängt von Ihrem Sortiment, Ihrem B2B-Anteil und Ihren Betriebsressourcen ab. Eine unabhängige Magento Beratung, die nicht an eine bestimmte Plattform gebunden ist, hilft genau an diesem Punkt: Sie bewertet ehrlich, ob Version 2 für Sie der richtige Weg ist oder ob ein Wechsel sinnvoller wäre - und schätzt den realistischen Migrationsaufwand ein, bevor Sie investieren.

Wir machen hier bewusst keine Versprechen zu Aufwand oder Kosten - jede Migration ist anders. Aber eines gilt unabhängig vom Weg: Auf Magento 1 zu bleiben, ist die einzige Option, die mit Sicherheit teurer wird, je länger Sie warten.

Fazit

Magento 1 ist seit Juni 2020 ohne offiziellen Support, und damit ist der Weiterbetrieb eine Frage von Sicherheit und Compliance. Der Weg zu Magento 2 oder Adobe Commerce ist ein Replatforming, kein Update: Daten werden migriert, Frontend und Funktionen neu gebaut. Entscheidend ist, den Umstieg strukturiert anzugehen - inklusive SEO-Mapping - und vorher ehrlich zu prüfen, ob Version 2 oder eine andere Plattform besser passt.

Quellen

Noch auf Magento 1 oder unsicher beim Sprung auf Version 2? Nehmen Sie sich 30 Minuten für ein Gespräch über Ihren Shop: Sortiment, Schnittstellen, B2B. Wir bewerten ehrlich, ob die Migration auf Magento 2, Adobe Commerce oder eine andere Plattform der richtige Weg für Sie ist.

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