Magento Open Source vs. Adobe Commerce: Editionen, Cloud und Mage-OS
Magento Open Source, Adobe Commerce, Adobe Commerce on Cloud oder der Community-Fork Mage-OS? Welche Magento-Variante zu Ihrem Unternehmen passt - und wann sich vor der Entscheidung eine unabhängige Magento Beratung lohnt.
Sie wollen mit Magento starten oder von einer älteren Version migrieren - und stolpern über die erste Frage: Welche Edition? Magento Open Source, Adobe Commerce oder Adobe Commerce on Cloud - und was ist eigentlich Mage-OS? Die Namen haben sich über die Jahre mehrfach geändert (Magento Community, Magento Enterprise, Magento Commerce), die Preisspanne ist riesig, und der Vertrieb erklärt Ihnen verständlicherweise gern das größte Paket. Dieser Beitrag ordnet die Varianten nüchtern ein, damit Sie entscheiden können, was Ihr Geschäftsmodell wirklich braucht.
Dieser Artikel ist Teil unserer Serie "Magento für Entscheider". Wir schauen uns die Plattform aus der Perspektive an, die im Tagesgeschäft zählt: Was bringt es, was kostet es an Aufwand, und wo lohnt sich Hilfe von außen.
Drei Varianten, ein gemeinsamer Kern
Wichtig vorab: Alle Varianten bauen auf demselben Magento-2-Kern auf. Magento Open Source ist die frei verfügbare, quelloffene Basis. Adobe Commerce (früher Magento Commerce beziehungsweise Magento Enterprise) ist die kostenpflichtige Variante mit zusätzlichen kommerziellen Funktionen. Es gibt sie zum Selbst-Hosten (on-premise) oder als "Adobe Commerce on Cloud" (früher Magento Commerce Cloud), also als von Adobe betriebene Cloud-Edition. Die Funktionen bauen aufeinander auf: Was in Open Source steckt, ist auch in Adobe Commerce enthalten.
Auch das Admin-Panel ist dasselbe. Adobe Commerce blendet dort lediglich zusätzliche Menüpunkte für die kommerziellen Funktionen ein. Wer die Commerce-Plattform aus der Open-Source-Variante kennt, findet sich sofort zurecht.
Für Sie heißt das: Ein Wechsel von Open Source zu Adobe Commerce erweitert den Funktionsumfang auf derselben technischen Grundlage, ein komplettes Replatforming ist dafür nicht nötig. Die Datenstruktur, die Erweiterungslogik und ein großer Teil des Codes bleiben gleich.
Magento Open Source: der kostenlose Einstieg
Magento Open Source ist kostenlos und quelloffen. Es enthält bereits einen vollwertigen Shop: Produkt- und Katalogverwaltung mit konfigurierbaren, gebündelten und virtuellen Produkten, Warenkorb, Checkout, Multi-Store-Fähigkeit, ein Rechte- und Rollensystem, REST- und GraphQL-APIs sowie - seit Version 2.4.3 - den Page Builder für die Inhaltspflege. Das alles ist out of the box vorhanden, ohne eine einzige gekaufte Extension. Für viele kleine und mittlere Händler reicht dieser Funktionsumfang erstaunlich weit.
Der Preis dafür ist nicht null - er verlagert sich nur. Hosting, Suchinfrastruktur (OpenSearch bzw. Elasticsearch), Wartung, Sicherheits-Patches und Weiterentwicklung liegen vollständig bei Ihnen beziehungsweise bei Ihrer Magento Agentur. Magento ist technisch anspruchsvoller im Betrieb als viele schlankere Systeme. Genau hier unterschätzen Händler regelmäßig den laufenden Aufwand.
Gut geeignet für: Händler mit eigener oder beauftragter Entwicklung, klar abgrenzbare Anforderungen, B2C und einfaches B2B.
Vorsicht bei: anspruchsvollen B2B-Szenarien, hohem Compliance-Bedarf oder wenn niemand für Betrieb, Updates und Monitoring zuständig ist.
Adobe Commerce: die kommerzielle Variante
Adobe Commerce schaltet auf demselben Kern zusätzliche, geschäftskritische Funktionen frei. Dazu gehören die nativen B2B-Funktionen (Firmenkonten, geteilte Kataloge, Angebote, Bestelllisten), erweiterte Regelwerke und Segmentierung, ein visueller Page Builder mit mehr Möglichkeiten, integrierte Business Intelligence sowie Funktionen für Loyalität und gezielte Aktionen. Hinzu kommt offizieller Support durch Adobe und ein klar definierter Sicherheits- und Release-Zyklus.
Drei Punkte tauchen in Vergleichslisten regelmäßig auf und sind in Open Source tatsächlich nicht enthalten: Gift Cards samt Guthabenverwaltung und Treuepunkten, die Produktempfehlungen und die Live Search auf Basis von Adobe Sensei sowie die Unterlagen zur PCI-Compliance, die Adobe für die Cloud-Variante als Dienstleister bereitstellt. Bei einer selbst gehosteten Installation liegt der Nachweis dagegen bei Ihnen und Ihrem Hoster.
Adobe Commerce kommt in zwei Betriebsmodellen: als selbst gehostete Lösung (Sie oder Ihr Partner betreiben die Infrastruktur) und als Adobe Commerce on Cloud, einer von Adobe verwalteten Cloud-Plattform mit integriertem Hosting, CDN (Fastly) und Deployment-Pipeline. Die Cloud-Variante nimmt Ihnen Betriebsthemen ab, bindet Sie aber stärker an die Plattform-Vorgaben.
Bei den Lizenzkosten ist Transparenz schwierig: Adobe veröffentlicht keine festen Preise. Die Lizenz wird angebotsbasiert kalkuliert und hängt vor allem vom Bruttowarenwert (GMV) ab. In der Branche werden Einstiegsgrößen im fünfstelligen Eurobereich pro Jahr genannt - das sind aber Anhaltspunkte, keine offiziellen Preise. Belastbar ist nur ein konkretes Angebot von Adobe oder einem Adobe-Partner für Ihren Fall.
Mage-OS: der Fork aus der Open-Source-Community
Neben den Adobe-Varianten gibt es seit 2022 Mage-OS. Dahinter steht die Mage-OS Association, ein Zusammenschluss von Agenturen und Entwicklern aus der Open-Source-Community rund um Magento. Mage-OS veröffentlicht eine eigene Distribution, die zur jeweiligen Version von Magento Open Source kompatibel bleibt und sich als Ersatz einspielen lässt.
Der Zweck ist Absicherung. Sollte Adobe die Weiterentwicklung von Magento Open Source verlangsamen oder einstellen, existiert eine unabhängige Basis mit eigener Paketquelle. Für den laufenden Betrieb ändert sich zunächst wenig: Module, Themes und Ihr eigener Code bleiben dieselben.
Die Kurzform "Magento OS" meint je nach Kontext entweder Magento Open Source oder diese Distribution. Für die Editions-Entscheidung ist Mage-OS keine vierte Preisstufe. Die Frage lautet nur, aus welcher Quelle Sie den Code beziehen. Funktional bleiben Sie bei Magento Open Source.
Die Entscheidungs-Checkliste
Bevor Sie eine Variante wählen, beantworten Sie ehrlich diese Fragen. Sie führen schneller zur richtigen Wahl als jedes Vergleichs-PDF:
Verkaufen Sie B2B mit Firmenkonten, Angeboten und kundenspezifischen Preislisten - oder reines B2C?
Haben Sie ein Team oder eine Magento Agentur, die Betrieb, Sicherheits-Patches und Monitoring zuverlässig stemmt?
Wie viele Storeviews, Sprachen und Länder müssen Sie wirklich bedienen - heute und in 24 Monaten?
Brauchen Sie konkret kommerzielle Features wie native B2B-Funktionen, BI oder erweiterte Segmentierung - oder reichen Open-Source-Funktionen plus Extensions?
Wie verhalten sich Lizenz- und Betriebskosten zum erwarteten Umsatz - und ab welchem GMV rechnet sich die kommerzielle Variante?
Ein häufiger und teurer Fehler: zu groß einsteigen, weil eine bekannte Marke Sicherheit suggeriert. Genauso teuer ist der umgekehrte Fall - mit Open Source starten, ohne den realen Betriebs- und Wartungsaufwand einzuplanen, und ein Jahr später mit veralteten Patch-Ständen dastehen.
Wann sich eine Magento Beratung vor der Entscheidung lohnt
Die Edition ist eine Architektur- und Budgetentscheidung, die Sie über Jahre begleitet. Eine kurze, unabhängige Magento Beratung im Vorfeld ist deshalb selten verschenkt - vor allem, wenn sie nicht an den Verkauf einer bestimmten Lizenz gekoppelt ist. Sinnvoll ist externe Hilfe insbesondere dann, wenn Ihr Geschäftsmodell B2B-Logik enthält, wenn Sie internationalisieren wollen oder wenn intern niemand die Plattform tief genug kennt, um die Feature-Listen zu übersetzen.
Wir nennen hier bewusst keine Pauschalen und keine Versprechen - die richtige Variante hängt zu stark vom Einzelfall ab. Was eine gute Beratung leistet, ist die ehrliche Übersetzung Ihrer Anforderungen in Funktionen und damit in eine Edition. Den Rest entscheiden Sie.
Fazit
Magento ist eine Commerce-Plattform mit mehreren Ausbaustufen auf einem Kern. Magento Open Source ist ein vollwertiger, kostenloser Einstieg mit Betriebsaufwand auf Ihrer Seite; Adobe Commerce kauft Funktionsumfang, Support und - in der Cloud-Edition - auch Betrieb dazu; Mage-OS liefert dieselbe Open-Source-Basis aus der Community. Entscheiden Sie anhand der Funktionen, die Sie wirklich einsetzen, und des Betriebsaufwands, den Sie tragen können. Wenn Sie unsicher sind, holen Sie sich eine unabhängige Einschätzung, bevor Sie sich festlegen.
Quellen
Adobe Experience League - Adobe Commerce B2B (Funktionsumfang)
Mage-OS Association - Distribution und Zielsetzung des Community-Forks
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