E-Commerce11 min Lesezeit13.7.2026

Adobe Commerce B2B vs. Magento Open Source: für Hersteller und Großhändler

Firmenkonten, geteilte Kataloge, Angebote und Bestelllisten: Wofür die nativen B2B-Funktionen von Adobe Commerce gedacht sind - und wann Magento Open Source für den B2B-Handel noch reicht.

Alexander Schikowsky
Alexander SchikowskyE-Commerce & Magento-Experte

B2B-Handel funktioniert anders als B2C. Es gibt Firmenkonten mit mehreren Einkäufern, individuelle Preise je Kunde, Freigabe-Workflows, Angebote statt fester Preise und wiederkehrende Bestellungen großer Mengen. Ein Standard-Shop bildet das nur mit viel Eigenbau ab. Adobe Commerce bringt für genau diese Anforderungen native B2B-Funktionen mit. Dieser Beitrag ordnet ein, was diese Funktionen leisten - und wann sich der Schritt zu Adobe Commerce für Hersteller und Großhändler wirklich lohnt.

Dieser Artikel ist Teil unserer Serie "Magento für Entscheider". Wir schauen uns die Plattform aus der Perspektive an, die im Tagesgeschäft zählt: Was bringt es, was kostet es an Aufwand, und wo lohnt sich Hilfe von außen.

Firmenkonten und Account-Hierarchien

Die Basis der B2B-Funktionen ist das Firmenkonto (Company Account). Ein Geschäftskunde ist darin eine Organisation mit mehreren Mitarbeitern, Rollen und Rechten. So kann ein Einkäufer bestellen, während ein Vorgesetzter ab einem bestimmten Betrag freigeben muss. Budgets und Bestelllimits lassen sich pro Person hinterlegen.

Für Sie als Hersteller oder Großhändler bedeutet das: Sie können die internen Prozesse Ihrer Kunden im Shop abbilden, statt sie über Telefon, E-Mail und Excel laufen zu lassen. Das senkt Reibung im Bestellprozess und entlastet Ihren Vertriebsinnendienst.

Geteilte Kataloge und kundenspezifische Preise

Im B2B sieht selten jeder Kunde dasselbe. Mit geteilten Katalogen (Shared Catalogs) legen Sie fest, welche Firma welche Produkte und welche Preise sieht. Ein Stammkunde erhält andere Konditionen als ein Neukunde, ein Großabnehmer andere als ein kleiner Wiederverkäufer - alles regelbasiert und ohne separate Shops. Kundenspezifische Preislisten und Staffelpreise gehören dazu.

Das ist einer der Punkte, an denen Adobe Commerce seinen Aufpreis gegenüber Magento Open Source rechtfertigen kann: Was hier nativ enthalten ist, müsste man in Open Source über Extensions oder Eigenentwicklung nachbauen - mit entsprechendem Wartungsaufwand.

Angebote, Bestelllisten und Schnellbestellung

Drei Funktionen sparen im täglichen B2B-Einkauf Zeit:

  • Angebotsanfragen (Quotes): Kunden fragen ein individuelles Angebot an, Ihr Vertrieb verhandelt und bestätigt direkt im System - statt per E-Mail-Pingpong.

  • Bestelllisten (Requisition Lists): wiederkehrende Bestellungen werden als Liste gespeichert und mit wenigen Klicks erneut ausgelöst - ideal für regelmäßigen Nachschub.

  • Schnellbestellung (Quick Order): Einkäufer geben Artikelnummern direkt ein oder laden eine CSV hoch, statt sich durch Kategorien zu klicken.

Diese Funktionen klingen unscheinbar. Sie prägen aber die User Experience im wiederkehrenden Einkauf: ob ein Einkäufer die wöchentliche Nachbestellung in einem Vorgang abschließt oder sich dafür jedes Mal durch den Katalog klickt.

Was Magento Open Source im B2B schon kann

Magento Open Source (bis 2017 Community Edition) ist im B2B nicht leer. Enthalten sind Kundengruppen mit eigenen Preisen, Staffelpreise pro Artikel, Katalogpreisregeln, die Netto-Preisanzeige samt Steuerklassen je Kundengruppe sowie ein Rechte- und Rollensystem im Backend. Für einen Großhändler mit überschaubarer Kundenstruktur reicht das häufig aus.

Was fehlt, sind die Bausteine rund um die Organisation Ihres Kunden: Firmenkonten mit mehreren Bestellern, Freigabe-Workflows, Kreditlimits, Angebotsanfragen und geteilte Kataloge. Diese Funktionen lassen sich über Extensions oder Eigenentwicklung ergänzen. Der Preis dafür ist Wartung, denn jedes Versions-Upgrade der Commerce-Plattform muss die Erweiterung mittragen.

Als Faustregel gilt: Solange bei Ihren Kunden eine Person bestellt, trägt Open Source weit. Sobald mehrere Personen mit unterschiedlichen Rechten am Bestellprozess beteiligt sind, kippt die Rechnung zugunsten der kommerziellen Commerce-Version.

Open Source oder Adobe Commerce für B2B?

Adobe Commerce liefert die genannten B2B-Funktionen nativ, getestet und mit Support. Die Entscheidung ist letztlich eine Rechnung: Wie viel B2B-Logik brauchen Sie wirklich, und wie teuer wäre es, sie in Open Source nachzubauen und dauerhaft zu warten - gegenüber den Lizenzkosten von Adobe Commerce?

Eine ehrliche Antwort hängt von Ihrem konkreten Fall ab: Anzahl der Firmenkunden, Komplexität der Preislogik, Freigabe-Workflows, Internationalisierung. Pauschale Empfehlungen sind hier wenig wert.

Wann sich eine Magento Beratung lohnt

Gerade im B2B ist die Lücke zwischen "das Feature existiert" und "das Feature passt zu unserem Prozess" groß. Eine unabhängige Magento Beratung hilft, Ihre realen Einkaufsprozesse auf die B2B-Funktionen von Adobe Commerce abzubilden und zu erkennen, wo Standard reicht und wo Anpassung nötig ist. Das verhindert sowohl teure Überanpassung als auch den Frust, wichtige Prozesse nicht abbilden zu können.

Eine Beratung übersetzt Ihre Vertriebsrealität in eine konkrete Konfiguration: welche Rollen ein Firmenkonto braucht, wie viele Preislisten es tatsächlich gibt, ab welchem Betrag freigegeben wird. Erst daraus ergibt sich der Funktionsumfang.

Fazit

Adobe Commerce liefert für Hersteller und Großhändler Firmenkonten mit Rollen und Budgets, geteilte Kataloge mit kundenspezifischen Preisen sowie Angebote, Bestelllisten und Schnellbestellung. Magento Open Source deckt Kundengruppen, Staffelpreise und Preisregeln bereits ab. Ob sich der Schritt lohnt, ist eine Rechnung aus B2B-Komplexität und Nachbau-Aufwand. Rechnen Sie dabei mit Ihren echten Einkaufsprozessen, nicht mit der Feature-Liste.

Quellen

Sie verkaufen B2B und überlegen, ob Adobe Commerce zu Ihren Einkaufsprozessen passt? In 30 Minuten gehen wir Firmenkonten, Preislisten und Freigabe-Workflows durch und sagen Ihnen, welche davon der Standard abdeckt und wo Anpassung nötig wird.

B2B-Anforderungen besprechen

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