Shopware 5 auf 6 migrieren - ohne Drama

Executive Summary
Der Umstieg von Shopware 5 auf 6 steht bei vielen Händlern an, und fast alle haben dieselbe Sorge: dass aus dem Projekt ein Drama wird. Diese Sorge ist berechtigt - aber sie liegt selten an Shopware 6. Sie liegt daran, wie Migrationen geplant werden: als Big-Bang, alles auf einmal, mit einem Stichtag, an dem man die Daumen drückt. Die teure Variante ist nicht die Migration. Die teure Variante ist der nicht getestete Big-Bang. Dieser Beitrag zeigt, warum Migrationen entgleisen und wie ihr risikominimiert vorgeht: klein anfangen, schrittweise umstellen und vor allem die Datenmigration absichern.
Warum Migrationen zum Drama werden
Ein Migrationsprojekt scheitert fast nie an einer einzelnen technischen Hürde. Es scheitert an einer Planung, die kein Sicherheitsnetz vorsieht. Vier Muster tauchen dabei immer wieder auf:
Big-Bang-Planung. Der gesamte Shop wird auf einen Stichtag umgestellt. Funktioniert am Tag X etwas nicht, steht der ganze Shop - und der Druck, schnell zu „fixen", erzeugt die nächsten Fehler.
Gewachsene Plugins ohne Shopware-6-Äquivalent. Manche Erweiterung aus der 5er-Welt gibt es für Shopware 6 schlicht nicht. Wer das erst am Stichtag merkt, hat ein Problem ohne Plan B.
Unsaubere, uneinheitliche Altdaten. Über Jahre gewachsene Produkt-, Kunden- und Bestelldaten sind selten so sauber, wie man hofft. Bei der Übernahme nach Shopware 6 zeigen sich Lücken und Inkonsistenzen, die im alten Shop nie aufgefallen sind.
Custom-Code ohne Tests. Individuelle Anpassungen, die niemand automatisiert prüft, sind eine Blackbox. Ob sie nach der Migration noch korrekt arbeiten, merkt man sonst erst, wenn ein Kunde sich beschwert.
Keines dieser Probleme ist unlösbar. Aber alle vier werden teuer, wenn man sie erst am Stichtag entdeckt.
Der teure Fehler ist der Big-Bang, nicht die Migration
Es klingt effizient, alles in einem Rutsch umzustellen: ein Projekt, ein Termin, durch. Genau das ist die riskanteste Variante. Bei einem Big-Bang bündeln sich alle Unbekannten auf einen einzigen Moment. Geht etwas schief, lässt sich kaum sagen, woran es lag - zu viele Dinge haben sich gleichzeitig geändert. Und während gesucht wird, steht der Shop und kostet Umsatz.
Risikominimiert heißt: nicht alles gleichzeitig. Wo immer es möglich ist, setzt man auf Parallelbetrieb und schrittweise Umstellung statt auf den Stichtag-Sprung. Jeder Teilschritt ist klein genug, um ihn zu überblicken - und wenn etwas hakt, ist sofort klar, welcher Schritt es war. Das ist derselbe iterative Grundsatz, der diese ganze Serie trägt: lieber zehn kleine, kontrollierte Schritte als ein großer auf Hoffnung.
Datenmigration: der Punkt, der über Erfolg entscheidet
Der heikelste Teil einer Migration sind die Daten. Produkte, Preise, Kategorien, Kundenkonten, Bestellhistorie - wenn hier etwas falsch oder unvollständig übernommen wird, fällt es oft erst spät auf, und dann betrifft es echte Kunden. Genau deshalb verlassen wir uns hier nicht auf Stichproben oder Sichtkontrolle.
Bei Datenimporten setzen wir automatisierte Tests ein. Konkret: Es wird automatisch geprüft, ob definierte Import-Daten auch tatsächlich korrekt im Frontend ankommen - also dort, wo der Kunde sie sieht. Stimmt nach dem Import ein Preis, eine Produktbeschreibung, eine Zuordnung nicht, schlägt der Test an, bevor irgendetwas live geht. Niemand muss sich durch Hunderte Seiten klicken und hoffen, nichts übersehen zu haben.
Der eigentliche Wert dieser Tests liegt nicht nur im einzelnen Fund. Jeder abgesicherte Schritt erlaubt, schneller weiterzubauen, ohne den Rest kaputtzumachen. Sobald ein Datenbereich nachweislich korrekt übernommen wird, kann das Team den nächsten angehen, ohne befürchten zu müssen, dabei unbemerkt etwas am bereits Geprüften zu beschädigen. So entsteht aus vorsichtigen Einzelschritten ein zügiger, aber sicherer Fortschritt.
Womit ihr anfangen könnt
Eine Migration beginnt nicht mit dem Umstellen, sondern mit dem Sortieren. Drei Schritte für den Anfang, in dieser Reihenfolge:
Macht eine Plugin-Inventur. Welche Erweiterungen sind wirklich im Einsatz, welche gibt es für Shopware 6, welche nicht - und welche braucht ihr ehrlicherweise gar nicht mehr? Jedes Plugin, das ihr vor der Migration aussortiert, müsst ihr nicht migrieren.
Schaut euch die Datenqualität an. Wo sind die Altdaten uneinheitlich oder lückenhaft? Diese Stellen sauber zu kennen, bevor ihr migriert, erspart böse Überraschungen im neuen Shop.
Definiert einen kleinen, abgesicherten ersten Schritt. Nicht der ganze Shop auf einmal. Ein abgegrenzter Bereich, dessen Datenübernahme automatisiert geprüft wird - und an dem sich zeigt, dass das schrittweise Vorgehen trägt.
Fazit
Shopware 5 auf 6 umzustellen muss kein Drama sein. Das Drama entsteht durch den Big-Bang ohne Sicherheitsnetz - durch einen Stichtag, an dem zu viele Unbekannte gleichzeitig auf einmal stehen. Wer stattdessen klein anfängt, schrittweise umstellt und jeden Schritt absichert, vor allem bei den Daten, verteilt das Risiko, statt es zu bündeln. Wie automatisierte Tests darüber hinaus die Wartbarkeit eines Shops sichern, vertiefen wir im Beitrag zu wartbarem Code und sauberer Übergabe.
Wenn bei euch der Umstieg auf Shopware 6 ansteht und ihr ihn nicht als Stichtag-Risiko fahren wollt - lasst uns 30 Minuten über euren konkreten Fall sprechen. Wir schauen uns eure Plugin- und Datenlage an und sagen ehrlich, wie sich euer Umstieg in abgesicherte Schritte zerlegen lässt. Kein Pitch-Deck.
Gespräch anfragenTeil 5 der Serie „E-Commerce ohne Bullshit".